BONIFATIUSWERK-GENERALSEKRETÄR NIMMT AM JUBILÄUM DER "MISSIONARE DER BARMHERZIGKEIT" IN ROM TEIL

"Den Geist der Weltkirche spüren und Türöffner für andere werden"

Als "Missionar der Barmherzigkeit" durchschreitet Monsignore Georg Austen die Heilige Pforte im Petersdom. (Foto: privat)
Als "Missionar der Barmherzigkeit" durchschreitet Monsignore Georg Austen die Heilige Pforte im Petersdom. (Foto: privat)

01.04.2025

Zum zehnjährigen Jubiläum der "Missionare der Barmherzigkeit" ist Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen in die Heilige Stadt gereist. Am Wochenende nahm er am 8. Weltkongress der "Missionare der Barmherzigkeit" in Rom teil. Papst Franziskus selbst konnte nach seinem etwa einmonatigen Krankenhausaufenthalt nicht an dem Treffen teilnehmen, hat den Teilnehmenden aber eine schriftliche Botschaft zukommen lassen. Darin betont er die zentrale Bedeutung von Vergebung und Umkehr und ermutigt die Priester in ihrem Dienst.


Heilige Pforte lädt ein, selbst zum "Türöffner für andere zu werden"

Für Monsignore Austen, seit 2016 "Missionar der Barmherzigkeit", schaffe dieses jährliche Treffen eine wichtige Verbindung: "Dieser Austausch, das gemeinsame Gebet, die Feier der Versöhnung bilden eine leise, aber auch starke Gegenbewegung zu allen lebensbedrohlichen Meldungen, die uns derzeit aus verschiedenen Teilen der Welt erreichen. Für mich ist es ermutigend, hier den Geist der Weltkirche zu spüren und persönliche Glaubenszeugnisse zu erleben." 

Mit mehr als 500 Missionaren aus Deutschland, Italien, den Vereinigten Staaten, Polen, Brasilien, Spanien, Frankreich, Mexiko, der Slowakei, den Philippinen, Bangladesch, der Ukraine, Kolumbien und Indien hat sich Austen auf den Pilgerweg der Hoffnung durch die Heilige Pforte im Petersdom begeben. "Christus öffnet Türen – aber wir müssen uns fragen: Wie können wir selbst zum Türöffner für unser Gegenüber werden, um friedvolle und vertrauensvolle Zugänge für das menschliche Miteinander zu schaffen? Wo können wir Hoffnung schenken?" Diese Türen, so Monsignore Austen weiter, seien "Startpunkte für Wege, die in die Welt führen, die dorthin führen, wo die Barmherzigkeit Gottes konkret spürbar werde und wo wir draußen zeigen sollen, was wir drinnen glauben." Das sei auch das Anliegen von Papst Franziskus, dass in der ganzen Welt, in den Ortskirchen, Orte der Hoffnung entstünden.


Weiterhin Sorge um Papst Franziskus

Hoffnungsvoll und zugleich besorgt sei auch die Atmosphäre in Rom, was den weiteren Genesungsweg von Papst Franziskus betreffe: "Unter den vielen Pilgern und Menschen spürt man die Hoffnung, aber gleichzeitig auch die Sorge, wie sich der Gesundheitszustand des Papstes weiterentwickelt, der weiterhin angeschlagen ist und zurückgezogen leben muss."

Eindrücke aus Rom

"Hinter jedem Kirchenaustritt steckt ein Mensch mit seiner Geschichte"

Seinen Romaufenthalt nutzte Monsignore Austen ebenfalls für weitere Gespräche und Begegnungen. Mit Blick auf die jüngst veröffentlichen Kirchenaustrittszahlen hat er sich mit Monsignore Luciano Alimandi aus dem Staatssekretariat über die Situation der katholischen Kirche in Deutschland ausgetauscht. Mehr als 300.000 Menschen haben die katholische Kirche allein im vergangenen Jahr verlassen. "Hinter jeder dieser Zahlen steckt ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte und Entscheidung", stellte Austen bedrückt fest. 

Er betonte, dass das Bonifatiuswerk Wege suche, um nicht sprachlos hinter diesen Zahlen zurückzubleiben, sondern um mit den Menschen in den Dialog zu treten, die sich von der Kirche abwenden oder schon abgewendet haben. Dazu hat das Hilfswerk 2024 eine pastorale Arbeitshilfe zu diesem Thema herausgebracht, die pastorale Fragen und Antworten rund um den Kirchenaustritt in den Blick nimmt. Auch sei es dem Bonifatiuswerk ein wichtiges Anliegen, neue Räume des Glaubens zu unterstützen, die Kirche zu einem evangelisierenden, offenen und einladenden Ort machen wollen.


Das Heilige Jahr als Chance für die katholische Diaspora

Die bevorstehende Seligsprechung des deutschen Jesuitenmissionars Eduard Profittlich sei ein wichtiges Zeichen sowohl für Estland als auch für die katholische Kirche in der Diaspora, betonte Austen gegenüber dem finnischen Kirchendiplomaten Tuomo T. Vimpari, Untersekretär des Dikasteriums für die Gesetzestexte. Mit Vimpari sprach der Bonifatiuswerk-Generalsekretär auch über die Entwicklungen in der nordeuropäischen Diaspora gesprochen. Mit Blick auf das Heilige Jahr sei dieses gerade für die katholische Diaspora eine wichtige Gelegenheit zur Vergewisserung und Stärkung und biete den Gläubigen in den verschiedenen Teilen der Welt die Gelegenheit, sich stärker mit der Kirche zu verbinden und Kirche als Weltkirche zu erleben: "Es gibt vielen Menschen den Anstoß, sich neu mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen und zu spüren: Ich bin nicht allein unterwegs." Das zeigte sich bereits im Februar dieses Jahres, als mehr als 1.000 Gläubige aus den nordischen Ländern nach Rom pilgerten.

Mit Mutter M. Fabia Kattakayam, der Generaläbtissin des Birgitten-Ordens, hat Austen einen Blick auf die Birgitten-Klöster in Nordeuropa geworfen, die durch das Bonifatiuswerk unterstützt werden. Große Dankbarkeit für diese wichtige Förderung durch das Hilfswerk, um Glaubensleben in der Diaspora zu ermöglichen, nimmt Austen aus diesem Gespräch mit in die Heimat zurück.


Zur Person:

Monsignore Georg Austen wurde 2016 von Papst Franziskus zum "Missionar der Barmherzigkeit" berufen. Als Missionar ist es seine Aufgabe, besonders in der Beichte und der Seelsorge Zeichen der göttlichen Barmherzigkeit zu setzen. Die Zahl der Missionare der Barmherzigkeit, deren besonderer Dienst vom Papst anlässlich des Außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit 2015 eingeführt wurde, nimmt ständig zu. Heute gibt es weltweit 1258 solcher Priester.

Außerdem ist Austen seit 2023 als Konsultor im Dikasterium für Evangelisierung tätig. In ihrer heutigen Form besteht die Evangelisierungsbehörde seit 2022, als sie unter der Bezeichnung "Dikasterium für die Evangelisierung" mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung zusammengelegt wurde. Das Dikasterium für Evangelisierung gliedert sich in zwei Sektionen: eine für Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen sowie eine weitere für die grundlegenden Fragen der Evangelisierung in der Welt, in dem Monsignore Austen tätig ist.

(thmei)