"BAUSTELLE DER HOFFNUNG"
26.02.2025
Absperrband, Warnleuchten und Baustellenschild versperrten Ende 2023 die Pfarrkirche St. Elisabeth in Postbauer-Heng im Bistum Eichstätt. Besucher und Besucherinnen wurden mit den Worten "Hier entsteht ein neuer Zugang" begrüßt, Pfarrer Markus Fiedler hielt in Messgewand und Schutzhelm die Messe.
Seitdem ist mehr als ein Jahr vergangen und die Pfarrei hat sich wie eine "Baustelle der Hoffnung" zu einem Ort weiterentwickelt, an dem Jung und Alt neue Zugänge zum christlichen Glauben finden können. Das Projekt "Tragwerk 7" experimentiert mit vielfältiger technischer Ausstattung – von farbigem Licht bis hin zu Kamera-Equipment – und entwickelt dabei neue Formate. Der Kirchenraum wird je nach Anlass neugestaltet und bietet einen einladenden Raum für generationenübergreifende Veranstaltungen. Dazu zählen Live-Stream-Gottesdienste, Ausstellungen, Filmabende, Konzerte, Lesungen und Kunstandachten. Gefördert wurde das Projekt mit 45.000 Euro durch das Programm "Räume des Glaubens eröffnen" des Bonifatiuswerkes.
"Wir erreichen Menschen, die vorher nicht viel mit Kirche am Hut hatten, teils sogar ausgetreten sind oder sich in ihrer Heimatpfarrei nicht so recht wohlfühlen", erzählt Pfarrer Markus Fiedler. Mittlerweile reisen Kunst-, Kultur- und Musikbegeisterte aus der gesamten Region an, die offen für Spiritualität sind und die Veranstaltungen besuchen. Auch die Zahl der Gottesdienstbesucher wächst.
Das zweite Halbjahresprogramm ist gerade gestartet. Ein Höhepunkt wird der Aschermittwoch der Künstler der Diözese Eichstätt sein. Ab dem 5. März wird das Kunstprojekt "No Jute Cloth for the Bones" der Vietnamesin Thao Nguyen Phan in der Postbauer-Henger Kirche zu sehen sein. Es geht um Fragen der Gerechtigkeit und der Verantwortung in der Einen Welt.
In den kommenden Monaten startet außerdem ein Poetry-Projekt, mit dem die Organisatoren neue Zielgruppen ansprechen möchten. Literatur- und Kunstandachten im "Tragwerk 7" gehen in die Tiefe und füllen die Kirchenbänke. Dabei wird digitale Technik wie Beamer und elektrische Leinwand intensiv eingesetzt, mit Smartphones und Tablets Interaktivität ermöglicht. Eine Predigt zu einem Bild, das Einspielen eines Videos im Gottesdienst oder ein Kurzfilmabend in der Kirche seien einfach zu realisieren. Entscheidend seien dennoch die realen Begegnungen. "Gerade das Beisammensein nach den Veranstaltungen im hinteren Teil der Kirche, ist essentiell: Brot, Wein und gute Gespräche – das reicht schon", sagt Fiedler. Kirche oder Kino, Kaffeegenuss oder Weihrauchduft: Glaube und Geselligkeit gehören hier zusammen. Liveübertragungen richten sich eher an ältere Personen, die nicht anwesend sein können.
"Tragwerk 7" steht dafür, die Kirche vor Ort offen, einladend und lebendig zu gestalten. Das Projekt lebt von ehrenamtlichem Engagement und Vernetzung und schafft Raum für kreative Mitgestaltung. Pfarrgruppen, das Pastoralteam und der Gemeinderat arbeiten eng zusammen, während Kunstschaffende aus der Region aktiv mitwirken. Sie kommen gerne. "Bei euch kann man das machen", hört das Projektteam immer wieder. "Tragwerk 7" ist in den Augen der Beteiligten ein "Balanceakt", weiterhin in Postbauer-Heng eine Pfarrei und eine Gemeinde zu sein und gleichzeitig ein Zentrum des offenen Glaubens für Menschen aus einem größeren Umkreis.
(bistum eichstätt/mos)